Das war die Kernaussage von Annika Wörsdörfer, DGB-Landesjugendsekretärin und zu Gast bei der Zuffenhäuser SPD. Sie untersuchte die Wirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise, besonders auf Baden-Württemberg und Stuttgart. Im Land nehme die Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen trotz Kurzarbeit, die durchaus stabilisierend wirke, zu. Gerade die in der Familiengründungsphase befindlichen Arbeitnehmer seien betroffen.
Veranstaltungen
33.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, vor allem in der Industrie, seien 2009 weggefallen und endgültig verloren. Diese Entwicklung setze sich in diesem Jahr fort und übersteige bereits die Zahlen der letzten Krise von 2005. Im Stuttgarter Norden trifft es mehrere Unternehmen erheblich, darunter die Firma Behr, wo eine Entlassungswelle bevorstehe.
Ein weiteres Problem dabei ist, dass die unter Druck geratenen Unternehmen einen Sparkurs fahren. Dies führt zu einer Verringerung der Investitionen und einem geringeren aktuellen Angebot an Lehrstellen. Im Land fehlen über 11.000 Ausbildungsplätze. Die Folge könnte aber ein Fachkräftemangel in Baden-Württemberg von 120.000 in fünf Jahren sein, wie eine Prognos-Studie belege. Vom Land erwartet Annika Wörsdörfer eine bessere Lehrerversorgung und von der Stadt Stuttgart höhere Investitionen in die Berufsschulen, damit für die Firmen stärkere Anreize für die Lehrlingsausbildung bestehen.
Sie verlangte von den Banken, dass sie ihr Geld bereitwilliger an Unternehmen verleihen. Zur Stabilisierung der Binnennachfrage und aus Gerechtigkeitsgründen forderte sie die Bundesregierung auf, für gesetzliche Mindestlöhne von 8,50 €, eine längere Bezugszeit für Arbeitslosengeld I und eine Erhöhung der Arbeitslosengeld II-Sätze zusorgen. Die Finanzen des Staates und der Stadt Stuttgart seien nicht von Hartz IV-Empfängern, sondern von der Finanz- und Wirtschaftskrise in Mitleidenschaft gezogen worden. Deren Verursacher dürften nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Annika Wörsdörfer sprach sich in der anschließenden Diskussion für mindestens inflationsausgleichende Tariflöhne und gegen eine staatliche Umverteilung zugunsten hoher Einkommen aus. Sie fand die Sozialdemokraten und das Publikum auf ihrer Seite.